Insights rund um Sport, Fitness und Gesundheit
Blog der Deutschen Sportakademie

Warum Millionen Menschen mit dem Laufen beginnen

von David Klinkhammer, 02/26, Lesezeit: 6 Minuten

Laufen ist 2026 beliebter denn je. Insbesondere seit der Pandemie gewinnt das Laufen jährlich viele neue Anhänger. Der Running Boom verändert alles: Laufen wird vom Leistungssport zur Bewegung für jeden – aber was genau sind eigentlich die Gründe für diese Entwicklung? In diesem Artikel schauen wir genauer hin: Was treibt diesen Trend an? Warum beginnen gerade jetzt so viele Menschen mit dem Laufen? Und wie kannst Du selbst Teil dieser inspirierenden Bewegung werden?

Du siehst es überall: Laufgruppen entstehen in jeder Stadt, das Laufen wird zum Lebensgefühl und Menschen teilen ihre persönlichen Running-Geschichten wie nie zuvor (The Science Survey, 2025). Dabei geht es längst nicht mehr nur um körperliche Fitness. Die neue Running Community verbindet Motivation mit einem bewussten Lifestyle und echten Freundschaften.

Gruppe von Menschen beim Joggen

Auch ich habe diese Entwicklung selbst erlebt. Mir begegnen nett nickende LäuferInnen auf meinen diversen Strecken durch Köln. Auf Social Media posten Freunde, die mit diesem Sport früher nichts zu tun hatten, ihre getrackten Laufeinheiten und die Auswahl an Laufwettkämpfen ist gigantisch – gleichzeitig sind viele Events immer schneller ausgebucht.

Was macht den Running Trend 2026 so besonders?

Kennst Du diese Zahlen? 1970 starteten beim ersten New York City Marathon gerade einmal 127 Läufer – nur 55 erreichten das Ziel. 2025 überquerten 59.226 Menschen aus fast 130 Ländern dieselbe Ziellinie.

Während immer mehr Menschen an Marathons teilnehmen, sind die durchschnittlichen Zielzeiten über die letzten Jahrzehnte sogar langsamer geworden. Die durchschnittliche Marathonzeit stieg von etwa 3:52 Stunden im Jahr 1986 auf rund 4:32 Stunden heute, was zeigt, dass immer mehr Freizeitläufer an den Start gehen (RunRepeat, 2019).

Diese Entwicklung zeigt: Laufen hat sich von einer Nischensportart für ambitionierte Athleten zu einer Bewegung entwickelt, die Millionen Menschen begeistert. Der aktuelle Running Boom ist kein Zufall. Er spiegelt einen kulturellen Wandel wider, der Sport, Gesundheit und Lebensstil neu miteinander verbindet.

Läufer sein – was heißt das heute eigentlich?

Der Begriff „Läufer“ hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Früher beschrieb er vor allem leistungsorientierte Athleten. Heute umfasst er jeden Menschen, der regelmäßig läuft und Freude daran findet. Du musst keine Rekorde brechen – Du musst nur loslaufen. Für viele Menschen ist Laufen zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden.

Laufen ist für mich die unkomplizierteste Art und Weise der Körperertüchtigung, des Stressabbaus, der Anregung von kreativen Denkprozessen und der Zeit, mich spannenden Podcasts und Hörbüchern zu widmen – immerhin reicht nur der Schritt vor die Haustür, der Startknopf meiner Uhr und meiner AirPods und es kann losgehen.

Die Effekte, die ich aus meinen Läufen ziehe, begründen meine Motivation. Der hohe kalorische Verbrauch führt dazu, dass ich einem weiteren Hobby nachgehen kann, beziehungsweise muss: dem Kochen und Essen. Des Weiteren hält mich das Laufen jung und stärkt mein Immunsystem, was dazu beiträgt, dass ich so gut wie nie krank bin.

Den Leistungsaspekt lasse ich dennoch nicht außer Acht. Ich beobachte eine stetige Verbesserung, die ich regelmäßig in Wettkämpfen unter Beweis stellen kann. Mich reizt der Wettstreit mit anderen über Apps wie Garmin Connect oder Strava.

Ich bin zudem ein Fanatiker, was Technologien angeht. Die Entwicklung von Laufschuhen, Apparel und smarten Gadgets beobachte ich seit Jahren mit Spannung und erfreue mich selbst an einem immer komfortabler werdenden Laufgefühl.

Die neuen Aspekte des Laufens

Running wird neben körperlicher Fitness zu einer meditativen Auszeit, die Raum für Selbstreflexion schafft. Statt nach Bestzeiten zu jagen, definiert die neue Laufbewegung ganz neue Aspekte des Laufens, die sie antreibt:/p>

Foto von Laufschuhen

Gründe, warum viele gerade jetzt mit dem Laufen beginnen

Viele Menschen beginnen genau jetzt mit dem Laufen – und dafür gibt es mehrere Gründe.

Deine körperlichen Fortschritte werden sichtbar

Einer der wichtigsten Motivationsfaktoren ist die schnelle Wahrnehmbarkeit von Fortschritten. Bereits nach wenigen Wochen berichten Einsteiger von besserer Ausdauer, mehr Energie und einer gesteigerten Fitness (Shipway et al., 2023). Du schaffst längere Distanzen und kannst Deine Laufgeschwindigkeit steigern. Und nicht zuletzt führt Laufen zu einem besseren, erholsameren Schlaf.

Diese greifbaren Resultate verwandeln eine einfache Gewohnheit in einen Lebensstil und erzeugen einen positiven Kreislauf: Du läufst, bemerkst Fortschritte, fühlst Dich motiviert – und läufst weiter.

Mentale Stärke durch Laufen entwickeln

Neben körperlicher Fitness spielt auch die mentale Wirkung des Laufens eine große Rolle. Nachweislich fördert Laufen das Wohlbefinden, baut Stress ab, fördert die Konzentration und entwickelt mentale Stärke.

Der Marathon ist für mich ein klassisches Beispiel für mentale Stärke. Du durchläufst dabei eine regelrechte Achterbahn der Gefühle. Der Start verläuft euphorisiert, aber aufmerksam. Du nimmst Dein Umfeld und die Strecke bewusst wahr. Nach etwa 8 bis 10 Kilometern bist Du im Flow. Deine Wahrnehmung verschiebt sich zunehmend von der Umgebung hin zu Deinem Mindset. Gedanken wie: „10,5 Kilometer? Das ist etwa ein Viertel.“ oder „Gleich geht es durch die Brügger Innenstadt“ bestimmen nun Deinen inneren Dialog.

Bei Kilometer 25 nimmst Du Deinen Körper stärker wahr. Dein Beinapparat meldet Müdigkeit an, einzelne Muskeln beginnen zu zwicken. Dieses Gefühl verstärkt sich weiter bis Kilometer 35.

Eine Ambivalenz entsteht: Tempo drosseln, gehen oder sogar aufgeben – oder weiterlaufen, weil die verbleibende Distanz immer kleiner wird. Die letzten Kilometer sind dann noch einmal besonders intensiv. Ein Cocktail aus Hormonen verleiht Dir ungeahnte Kräfte, die häufig sogar zu einem Endspurt führen. Getragen von der jubelnden Menge bricht beim Überqueren der Ziellinie schließlich alles aus Dir heraus.

Du hast etwas Großes geschafft – und oft denkst Du in diesem Moment schon darüber nach, wo Dein nächster Marathon stattfinden könnte.

Warum Laufgruppen so kraftvoll sind

Laufgruppen sind mehr als gemeinsame Trainingseinheiten. Sie schaffen soziale Bindungen und stärken das Zugehörigkeitsgefühl – zwei wichtige Faktoren für langfristige Motivation (Ramaekers et al., 2022). Du findest dort Menschen, die Deine Leidenschaft teilen und Dich auch dann motivieren, wenn Deine eigene Motivation gerade schwächelt.

Social Running wirkt auf mehreren Ebenen:

Studien zeigen zudem, dass soziale Unterstützung die Wahrscheinlichkeit erhöht, langfristig aktiv zu bleiben (Bendíková et al., 2026).

Deine Running Journey erfolgreich gestalten

Jede Laufreise ist individuell. Dennoch gibt es einige Faktoren, die darüber entscheiden, ob Du langfristig dabeibleibst.

Motivation langfristig erhalten

Warum bleiben manche Menschen dauerhaft beim Laufen, während andere nach kurzer Zeit wieder aufhören? Forschung zeigt: Menschen bleiben dann beim Laufen, wenn sie einen persönlich bedeutsamen Grund dafür finden (Bendíková et al., 2024).

Viele Menschen beginnen mit einem klaren Ziel – etwa Gewichtsverlust oder bessere Fitness. Doch die Motivation verändert sich mit der Zeit. Mache Dir Veränderungen bewusst, finde Deine Gründe, die Dich antreiben und passe Deine Ziele an, um neuen Ehrgeiz zu wecken.

Rückblickend hat sich auch meine eigene Motivation stark verändert. Körperästhetik und Leistungssteigerung waren lange Zeit meine Hauptantriebe. Heute ist Laufen für mich viel mehr geworden. Es bereitet mir Freude und ich möchte andere Menschen dafür begeistern.

Deshalb engagiere ich mich als Laufbotschafter des Deutsche Post Marathons in Bonn. Mein Ziel ist es, mein Umfeld ebenfalls zu motivieren und Menschen für das Laufen zu begeistern.

Setze realistische Erwartungen

Ein guter Vorsatz allein reicht nicht immer aus. Beruflicher Stress, Familie oder gesundheitliche Herausforderungen können die Laufroutine unterbrechen. Deshalb ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben und flexibel zu bleiben. Deine Running Journey verläuft selten linear – und genau das ist völlig normal.

Integration in den Alltag

Der langfristige Erfolg entsteht durch Routine. Du läufst, erlebst Fortschritte, spürst die positiven Effekte und entwickelst daraus eine Gewohnheit. Gleichzeitig solltest Du flexibel bleiben. Wenn Du beispielsweise nur einmal pro Woche läufst und krank wirst, kann eine ganze Trainingswoche ausfallen. Plane deshalb Alternativen ein und sorge dafür, dass Dir das Laufen weiterhin Freude bereitet.

Laufen als neuer Lifestyle

Der Running Boom 2026 zeigt deutlich: Laufen hat sich von einer Leistungssportart zu einer offenen Bewegung entwickelt, die Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Körperliche Fitness, mentales Wohlbefinden und soziale Gemeinschaft verschmelzen zu einem ganzheitlichen Lifestyle.

Wenn Du jetzt startest, kannst Du Teil dieser inspirierenden Bewegung werden. Suche Dir eine Laufgruppe, setze persönliche Ziele und erlebe selbst, wie Laufen Dein Leben positiv verändern kann.

Über David Klinkhammer:

David Klinkhammer ist Sportwissenschaftler, Fitness- und Athletiktrainer sowie Group Instructor und Markenbotschafter der Deutschen Sportakademie. Er ist Host des Akademie-Podcasts Bizeps & Bananenbrot und verfasst regelmäßig Beiträge für den Blog der Deutschen Sportakademie. Als Dozent begeistert er Studierende für Trainingsplanung und -steuerung, Fitnesstraining in der Praxis, Ausdauersportarten sowie Motivationstraining im Personal Training. Als leidenschaftlicher Marathonläufer und selbstständiger Fitnesstrainer bietet er in Köln Bootcamps und Mitarbeiterfitness an. Zum Ausgleich liebt er Paartanz und Kochen.

Hat Dir der Beitrag gefallen?

Jetzt teilen: