ISPO 2025 München: Trends, Innovationen und Eindrücke aus erster Hand
von David Klinkhammer, 01/26, Lesezeit: 6 Minuten
- Premiere auf der ISPO
- Digitalisierung & Künstliche Intelligenz: Der KI-Coach ist angekommen
- Fun Games & Bar Games: Spielen verbindet
- Nachhaltigkeit: Mehr als ein Buzzword
- Smarte Gadgets: Technik für den Alltag
- Analoger Gegenpol: Workout Cards
- Vorträge & Panels: Sport als gesellschaftliche Kraft
- Back to Nature: Barfuß ist der neue Sneaker
- Blick Richtung Sportjahr 2026
Premiere auf der ISPO
Eine Messe als Besucher wahrzunehmen, ist für mich immer ein besonderes Ereignis. Unvoreingenommen Produkte und Dienstleistungen der Aussteller zu entdecken, Gespräche zu führen und Expertenpanels sowie Vorträge zu verfolgen, die die Sport- und Fitnessbranche aktuell bewegen, ist eine wertvolle – und notwendige – Abwechslung zum Arbeitsalltag.

Diese Eindrücke konnte ich bislang vor allem auf der FIBO in Köln sammeln. Auch wenn diese Messe für mich ein fester Pflichttermin ist, weiß ich dort inzwischen ziemlich genau, was mich erwartet. Der Besuch der Internationalen Fachmesse für Sportartikel und Sportmode (ISPO) war dagegen eine echte Premiere.
Schon in der Vorbereitung wurde klar: Der große Unterschied zur FIBO liegt im Fokus. Während Fitness auf der FIBO häufig im Mittelpunkt steht, betrachtet die ISPO Sport in seiner gesamten Breite – Fitness ist hier ein Teil des Ganzen. Seit 1970 findet die Messe jährlich in München statt, 2025 allerdings vorerst zum letzten Mal. Ab 2026 öffnet die ISPO erstmals ihre Tore in Amsterdam.
Zahlreiche Beiträge auf der Website kündigten bereits im Vorfeld zentrale Themen an: Nachhaltigkeit, Digitalisierung & Künstliche Intelligenz (KI), Longevity, gesellschaftliche Verantwortung des Sports und vieles mehr. Für meinen Podcastkollegen Matthias Keutmann und mich war schnell klar: Dieser Besuch sollte wegweisend für unser Podcastjahr 2026 werden.
Digitalisierung & Künstliche Intelligenz: Der KI-Coach ist angekommen
Eines der dominierenden Themen der ISPO war ohne Zweifel die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Sport. Gleich zu Beginn unseres Rundgangs wurden wir damit konfrontiert.
Matthias ließ sich bei Swish Basket per KI Feedback zu seinen Basketballwürfen geben, während unsere Kollegin Sonja wenige Stände weiter bei Sparrow Tipps für den perfekten Golfabschlag erhielt. Die zugrunde liegende Technologie folgte dabei fast immer demselben Prinzip: Kamera + App + KI.
Die Kamera erfasst den Bewegungsablauf, die KI vergleicht diesen mit idealtypischen Bewegungsmustern und gibt anschließend individuelles Feedback: Stimmt die Handhaltung? Ist der Schwung zu schnell oder zu langsam? Die Rückmeldungen waren präzise und erstaunlich differenziert.
Dennoch bleibt für mich eine zentrale Frage: Kann eine KI den menschlichen Coach ersetzen? Meine Antwort ist eindeutig: nein. Coaching lebt von Beziehung, Vertrauen und Empathie. Ein menschlicher Coach nimmt nicht nur Bewegungsdaten wahr, sondern erkennt auch Motivation, Tagesform, mentale Verfassung oder Unsicherheiten – Faktoren, die sich nicht vollständig in Algorithmen abbilden lassen. Hinzu kommen Hands-on-Techniken, spontane Anpassungen im Training sowie die Fähigkeit, Menschen emotional abzuholen und langfristig zu begleiten. Diese zwischenmenschliche Qualität kann eine KI derzeit nicht ersetzen. Als ergänzendes Werkzeug zur Analyse, Objektivierung und Trainingssteuerung sehe ich sie jedoch als sinnvolle Unterstützung für jeden Coach. Als Ergänzung im Coaching – etwa zur objektiven Analyse oder für das eigenständige Training – halte ich KI jedoch für extrem sinnvoll.
Fun Games & Bar Games: Spielen verbindet
Bar- und Fun Games sind längst fester Bestandteil unserer Freizeitkultur. Darts füllt jährlich den Londoner Ally Pally und begeistert Millionen vor den Bildschirmen. Entsprechend präsentierten sich diese Spiele auch auf der ISPO innovativ und technisch weiterentwickelt.
Besonders begeistert hat uns Scoliadarts: eine klassische Bristle-Dartscheibe, kombiniert mit Kameratechnologie. Über eine Software werden Spielstände – etwa im 501 – automatisch gezählt. Der entscheidende Vorteil gegenüber elektronischen Scheiben: echtes Wurfgefühl, keine abfallenden Darts.
Das Highlight folgte jedoch auf dem Screen: Wir traten live in einem 2-gegen-1-Match gegen einen Spieler aus Bulgarien an. Weltweite Duelle ohne physisch anwesende Gegner – ein spannender Ansatz für Freizeit- und Wettkampfsport.
Ähnlich innovativ zeigte sich der digitale Kicker, bei dem Spielfeld, Spielstände und Animationen direkt auf eine digitale Oberfläche projiziert werden. Jubel-Sounds und virtuelles Konfetti inklusive – ein Gadget, das dem klassischen Kneipenspiel einen neuen Reiz verleiht.
Auch Discgolf zog uns in seinen Bann. Das Ziel: eine Frisbeescheibe präzise in eine mit Ketten versehene Fangvorrichtung zu werfen. Während Matthias echtes Talent zeigte, wurde mir schnell klar, dass er offenbar einen Großteil seines Studentenlebens auf Kölner Grünflächen verbracht hat. Spannend: Städte und Kommunen investieren zunehmend in Discgolf-Anlagen – Fun Games werden Teil öffentlicher Bewegungsräume.
In eine ähnliche Kategorie fällt Pickleball (u. a. bei Joola). Eine Mischung aus Tennis, Padel und Tischtennis, gespielt mit paddelähnlichen Schlägern und einem gelochten Kunststoffball. Durch das langsamere Spieltempo ist Pickleball extrem zugänglich. Im Gespräch mit dem deutschen Pickleball-Meister wurde deutlich: Diese Sportart ist derzeit die am schnellsten wachsende Rückschlagsportart in den USA – und gewinnt auch in Europa rasant an Struktur.
- Ziele sollten nach dem SMART-Prinzip formuliert und um eine emotionale Komponente ergänzt werden (z. B. „5 kg in drei Monaten verlieren, um mich wieder leichter und ausgeglichener zu fühlen“).
- Teilziele und Mikroerfolge machen Fortschritte sichtbar und fördern langfristige Motivation.
- Trainer sollten die Selbstwirksamkeit ihrer Klienten stärken, indem sie diese aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen und eigene Lösungen finden lassen.
Nachhaltigkeit: Mehr als ein Buzzword
Nachhaltigkeit begegnete uns auf der ISPO in vielen Facetten: Kleidung und Schuhe aus recycelten Materialien oder nachwachsenden Rohstoffen, Produktionsverlagerungen vom asiatischen in den europäischen Raum und kürzere Lieferketten.
Ein absolutes Highlight war das Swap Event. Europäer werfen pro Kopf jährlich rund 11 Kilogramm Textilien weg – mehr als 60 Prozent davon landen in Verbrennungsanlagen oder auf Deponien, obwohl vieles noch tragbar ist.
Beim Swap Event konnten Besucher vorab aussortierte, gut erhaltene Funktionskleidung mitbringen. Die abgegebene Funktionskleidung wurde direkt vor Ort ausgestellt und stand anderen Teilnehmenden des Swap Events zum Tausch zur Verfügung. So entstand ein geschlossener Kreislauf, bei dem Kleidung unmittelbar weitergenutzt wurde – ganz im Sinne von Ressourcenschonung und nachhaltigem Konsum.
Nach Bewertung meiner Kleidung erhielt ich also die Swap-Währung in Form von Holz-Coins, die ich direkt gegen andere Kleidungsstücke eintauschen konnte. Für meine fünf Kleidungsstücke erhielt ich insgesamt 26 Coins. Dafür fand ich einen Pullover – original mit Preisschild über 110 Euro – für gerade einmal 11 Coins. Die restlichen Coins spendierte ich Matthias, der sich kurzerhand ein komplettes Radoutfit zusammenstellte.
Ein einfaches, aber wirkungsvolles Konzept, das perfekt zum Nachhaltigkeitsgedanken der ISPO passt.
Smarte Gadgets: Technik für den Alltag
Neben Smartwatches gewinnen smarte Ringe und Armbänder zunehmend an Bedeutung. Hersteller wie ZEUS Smart Solutions (Löwe) zeigten Ringe, die Herzfrequenz, Schlafparameter, Temperatur und sogar EKG-Daten erfassen – ohne Display, die Auswertung erfolgt in der App.
Besonders spannend: Die Integration der Technik in bestehende Schmuckstücke beim Juwelier. Die Frage, ob das Herz beim Ringtausch wirklich einen Sprung macht, ließe sich damit zumindest technisch beantworten.
Ein weiteres Gadget, das mich überzeugte, war heat it®: ein Insektenstichheiler, der per USB-C direkt ans Smartphone angeschlossen wird. Über lokale Hyperthermie werden die juckreizverursachenden Proteine zerstört. Klein, batterielos und überraschend effektiv – ein echtes Reise- und Outdoor-Gadget.
Analoger Gegenpol: Workout Cards
Zwischen all der Digitalisierung stachen die Workout Cards bewusst heraus. Ein analoges Kartenset, das Training wieder greifbar macht: Warm-up, Hauptteil (Balance, Stabilität, Agilität) und Cool-down werden per Karte zusammengestellt.
Belastungsnormative, Progressionen und Regressionen sind klar angegeben. Besonders erwähnenswert ist die Silver Edition für ältere Zielgruppen – altersgerecht, aber dennoch fordernd. Ein gelungenes Beispiel für den Trend „Digital Detox“ im Sport.
Vorträge & Panels: Sport als gesellschaftliche Kraft
Zeitlich bedingt konnten wir nur eine Auswahl an Vorträgen besuchen. Der Longevity-Vortrag von Dr. Alexander Auer bestätigte bekannte Säulen: Schlaf, Bewegung, Ernährung – ergänzt um soziale Bindung und Resilienz.
Spannend war die Keynote „Läufer und Zahlen“ von Urs Weber (Runner’s World): Laufgruppen boomen, Social Running ist State of the Art, und Läufer investieren zunehmend in Schuhe und Apparel.
Im Panel zur Olympischen Bewegung mit Felix & Christian Neureuther, Sandra Kiriasis und DOSB-Vertretern wurde deutlich, welche sozialen Effekte Olympische Spiele haben können – etwa am Beispiel Paris oder London. Die Akzeptanz für Olympiabewerbungen ist so hoch wie lange nicht.
Das Executive Panel „Future of Sports“ mit Vertretern von WSFGI, Oberalp Group, Merrell und Hexagon Cup betonte vor allem eines: Sport muss zugänglicher werden, um kommende Generationen nachhaltig zu erreichen.
Back to Nature: Barfuß ist der neue Sneaker
Ein weiterer starker Trend war „Back to Nature“. Nicht nur im Outdoor-Segment, sondern auch im Alltag und im Gym. Bei Vivobarefoot wurde deutlich, welche Rolle Füße als Sinnesorgane spielen. Fußdruckmessungen zeigten, ob Belastungen gleichmäßig oder punktuell erfolgen – mit direkten Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat.
Minimalschuhe stehen exemplarisch für einen bewussteren Umgang mit Bewegung, Wahrnehmung und langfristiger Gesundheit.

Blick Richtung Sportjahr 2026
Digitalisierung & KI, Nachhaltigkeit & Back-to-Nature, smarte Gadgets für den Alltag, Fun Games, Longevity und die gesellschaftliche Bedeutung von Sport – das waren die prägenden Leitthemen der ISPO 2025.
Viele dieser Eindrücke werden uns im Sportjahr 2026 und darüber hinaus begleiten. Einige Themen waren so spannend, dass wir bereits vor Ort entschieden haben, sie in weiteren Blogartikeln und Podcastfolgen zu vertiefen. Und wenn es Ende des Jahres wieder heißt, neue Impulse zu sammeln, sagen wir vielleicht nicht mehr Servus, sondern Goede dag – auf der ISPO in Amsterdam.

Über David Klinkhammer:
David Klinkhammer ist Sportwissenschaftler, Fitness- und Athletiktrainer sowie Group Instructor und Markenbotschafter der Deutschen Sportakademie. Er ist Host des Akademie-Podcasts Bizeps & Bananenbrot und verfasst regelmäßig Beiträge für den Blog der Deutschen Sportakademie. Als Dozent begeistert er Studierende für Trainingsplanung und -steuerung, Fitnesstraining in der Praxis, Ausdauersportarten sowie Motivationstraining im Personal Training. Als leidenschaftlicher Marathonläufer und selbstständiger Fitnesstrainer bietet er in Köln Bootcamps und Mitarbeiterfitness an. Zum Ausgleich liebt er Paartanz und Kochen.